8. Salziger Regen 2.22

 

Ich lauf den Strand lang, jetzt erst recht

Ich hab ja schließlich nicht schlecht dafür geblecht,

zwei Juni-Wochen an der Nordsee zu belegen

Salziger Regen fällt in mein Gesicht

 

Von wegen Sommer! Sturmwind pfeift

Dass der Treibsand Besitz von mir ergreift

Und auch Erinnerungen wehen mir entgegen

Salziger Regen fällt in mein Gesicht.

 

Ich bin plötzlich wieder Zehn und meine Klage-Elegien,

angesichts von Wetter und Fernsehprogramm

sei das Ferienwohnungssofa dem Strandkorb vorzuziehen,

versickern noch mal ungehört in Schlick und Schlamm

 

Nicht dass ich´s heute groß anders säh!

Doch ich bleib still denn ein solches Plädoyer

hätt wenig Sinn, es hält ja niemand mehr dagegen

Salziger Regen fällt in mein Gesicht.

 

Das Festland schrumpft beharrlich, jede Flut fordert Tribut

Die Tide treibt die Küste vor sich her

Wenn der Deich, wie zu vermuten, noch an alter Stelle ruht

ist das, was früher Strand war, heute schon zur Hälfte Meer

 

Eine Familie im Friesennerz

kommt mir entgegen und kämpft sich landeinwärts

Ein kleiner Junge stapft gesenkten Blicks dahinter

Wie ein aus ferner Zeit geschickter Gleichgesinnter

 

Er watschelt wortlos an mir vorbei

Aber sein Blick verrät geheime Kumpanei

Ein Sonnenstrahl verleiht der Szene seinen Segen

Salziger Regen fällt in mein Gesicht

Salziger Regen fällt in mein Gesicht

Salziger Regen, mehr ist es nicht.