5. Die Ruinen Germanias 3.23

 

Kleine Gestalten in quietschbunten Anoraks

zieh´n ihre Schlitten den Teufelsberg rauf

In Vorfreude auf die bevorsteh´nden Abfahrten

leuchten auch ihre Gesichtchen hell auf

Farbig bekleckst ragt der schneeweiße Hügel

über den Grunewald, über Berlin

Wie gottgegeben, zur Belebung der Landschaft

und für die Kinder zum Schlittenhochzieh´n

 

Doch unter dem Schnee schläft der Rasen

Unter dem Rasen der Sand

Unter dem Sand schlafen Trümmer

einer Welt, die in Flammen verschwand

Tief im Herzen des Teufelsbergs ruhen

verschwiegen, versteckt und kaputt

Die vergess´nen Ruinen Germanias

unter Tausenden Tonnen von Schutt

 

Kleine Gestalten in quietschbunten Anoraks

ziehen beseelt ihre Schlitten nach Haus

Die Häuser am Rande des Grunewalds seh´n wie

Relikte verschiedener Zeitalter aus

Schuhkartonsozialbauwohnungen stehen

gleich neben Villen in Gründerzeitpracht

Aus allen Fenstern seh´n sich kleine Gestalten

vom schneeweißen Teufelsberg sicher bewacht

 

Doch unter dem Schnee...

 

Kleine Gestalten würde´s wohl geben,

doch dürften sie bunt durch Germania ziehen?

Wie würde´s aussehen, wie würde man leben

in einem von Nazis erdachten Berlin?

Würden die Gründerzeitvillen noch stehen

auch die, die von Bomben zermalmt worden sind?

Was würde man von ihren Fenstern aus sehen?

Was würd´ man bemerken, wofür wäre man blind?

 

Der Teufelsberg jedenfalls wär nie entstanden

Doch wie gottgegeben bewacht er Berlin

Als Grabmal der Trümmer, zur Belebung der Landschaft

und für die Kinder zum Schlittenhochzieh´n.