23. Weil man lebt 2.59

 

Der Hase, der im Zickzack über die Mittelinsel fegt

Und im Montagmorgenhickhack seine Haken schlägt

Tut das nicht aus Freude, ihm macht das nicht mal Spaß

Er hat gar keine Wahl im grünen Gras

 

Weil er lebt, weil er trotz alledem noch immer lebt,

was soll er machen, wenn der Tag anhebt, als wäre nichts geschehn

Und die Sonne auch noch scheint, als würd´ sie niemals untergehn?

 

Die Wespe, die benommen im Rotweinrest versinkt

und mehr und mehr beklommen mit dem Ertrinken ringt

Erwartet für ihr Kraulen weder Mitleid noch Applaus

Ihr reicht die Aussicht auf den Weg hinaus

 

Weil sie lebt, weil sie trotz alledem noch immer lebt

darf es nicht sein, dass sie am Boden klebt, sie muss zum Licht hinauf

Auch wenn die Kraft vielleicht nicht reicht, sie gibt sich noch nicht auf

 

Weil sie lebt, weil sie trotz alledem noch immer lebt

Solang ihr Flügelschlag sie hoch zum Himmel hebt, kann ja noch viel geschehen

Vielleicht wird ihr der Mond ja doch ein letztes Mal aufgehen

 

Weil man lebt, weil man trotz alledem noch immer lebt

Solang der Brustkorb noch im Herzschlag bebt, ist ja noch nichts geschehen

Auch wenn nicht abzusehen ist, wie, es wird schon weiter gehen

 

Weil man lebt, weil man trotz alledem noch immer lebt

Und wenn das Zwerchfell sich zum letzten Male hebt, dann ist es halt geschehen

Doch Mond und Sonne werden weiter auf und untergehen

Hasen, ach, und Wespen.